Ein ökologisches Modell für den Preußenpark: BLN entwirft Gegenbild zu Umbauplänen des Bezirks

Großer grüner Park – Wilmersdorfer Grünzug

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf plant die großflächige Veränderung des historischen Preußenparks (Ortsteil Wilmersdorf). Diese geht mit erheblicher Versiegelung, Verkleinerung und Entfernung der Vegetation einher. Bei den Plänen hatte das Bezirksamt die Rechnung offenbar ohne die Naturschutzverbände gemacht, die die Einhaltung geltenden Naturschutzrechts und ihre Beteiligung einfordern. Premiere in Berlin – die nach Umweltinformationsgesetz zu gewährende Akteneinsicht musste der Dachverband der Berliner Naturschutzverbände, die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V. (BLN), erst im Gerichtswege „erstreiten“. So erlangte sie unter anderem Einsicht in den bis dato öffentlich nicht zugänglichen „Masterplan“ für den Parkumbau, der von einem Planungsbüro im Auftrag des Bezirksamts Ende Dezember 2020 erstellt worden war. Auf Basis der Akteneinsicht hat die BLN errechnet, dass mit der Umsetzung der Pläne 11.255 qm und damit etwa 20 % des 55.000 qm großen Parks versiegelt werden würden, davon 4.130 qm und damit 7 % teilweise und 7.125 qm – 13 % vollständig versiegelt.

Der Preußenpark stellt in der hochverdichteten Innenstadt im Nordwesten Wilmersdorfs und angrenzenden Charlottenburg die einzige größere unversiegelte Fläche. Die Umsetzung der Pläne wäre außerdem mit erheblichen Verlusten an Vegetation und an Lebensraum für Tiere verbunden. Der mit den geplanten Eingriffen verbundene CO2-Ausstoß sei auch sicher nicht mit den Klimazielen des Bezirks vereinbar. Nicht nachvollziehbar in Zeiten von Wassermangel, Klimakatastrophe und Artensterben, findet Manfred Schubert, Geschäftsführer der BLN. Zudem völlig unnötig.

Denn es geht auch anders. Die BLN erarbeitet nun ein Konzept, wie stattdessen eine grüne Oase voller ökologischer Synergieeffekte in der Innenstadt geschaffen werden könnte. Eine Visualisierung sowie eine Vorstellung vor Ort im Rahmen einer Begehung sind in Planung.

Erste Kernpunkte sind die Folgenden:

  1. Parkvergrößerung
    a) Der Park wird um die angrenzende sechsspurige Brandenburgische Straße erweitert, die vom Fehrbelliner Platz bis zur Kreuzung mit der Konstanzer Straße weitest möglich entsiegelt, begrünt und in den Park einbezogen wird.
    b) Die an den Park angrenzenden Bürgersteigbereiche der Pommerschen und Württembergischen Straße werden in den Park einbezogen.
    c) Der südlich an den Preußenpark angrenzende Fehrbelliner Platz wird in die Planung integriert. Der seit August 2021 – unter Verstoß gegen das Berliner Grünanlagengesetz – an drei Wochentagen im Park provisorisch gestattete „Thai-Streetfoodmarkt“ wird auf den Platz vor dem Alten Rathaus Wilmersdorf verlegt. Auf diesem hat sich an drei anderen Wochentagen bereits ein interkultureller Streetfoodmarkt etabliert (vgl. https://www.facebook.com/StreetFoodMarkt/Berlin).
  2. Grüne Achse zum Volkspark Wilmersdorf – der „Wilmersdorfer Grünzug“: Über die Barstraße wird eine Biotopverbindung vom Preußenpark zum Fennseepark, dem westlichsten Ausläufer des Volksparks Wilmersdorf, geschaffen. Mit Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung und Einführung einer Fahrradstraße könnte auf dem sehr breiten Bürgersteig, im ersten Abschnitt bis zur Berliner Straße unter Einschluss des bisherigen Radwegs, ein entsiegelter, mit Sträuchern eingefasster, drei bis vier Meter breiter Grünstreifen mit schmalem Spazierweg geschaffen werden.
  3. Erhöhung der Vegetationsdichte im Park: Im Preußenpark wird die Vegetationsfläche durch Verschmälerung der Wegefläche möglichst vergrößert und eine dichtere, üppigere Vegetation angelegt (Wiederaufforstung mit Bäumen und Sträuchern). Ziel ist mehr Schatten, mehr Feuchtigkeit, ein kühlender Park, der sich auch auf die Umgebung auswirkt und zugleich die Artenvielfalt in der Stadt stärkt und erhält. Die wäldchenartige Struktur des Parks und die Abschirmung seiner Ränder durch Vegetation wird wiederhergestellt; auch auf dem Rasenrondell werden weitere schattenspendende große Bäume gepflanzt und einige größere Sträucher. Es werden heimische Arten gepflanzt, die Lebensraum und Nahrung für die Tierwelt bieten.
  4. Umlenkung des Dachregenwassers in den Park: Das Dachregenwasser der westlich und östlich an den Park angrenzenden Behördengebäuden (Deutsche Rentenversicherung Bund, Landesverwaltungsamt, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) wird in den Park eingeleitet, um den Park zu bewässern und der fortschreitenden Grundwasserabsenkung aufgrund der hohen Flächenversiegelung in Berlin entgegenzuwirken. Hierzu leistet die Einbeziehung und Entsiegelung der Brandenburgischen Straße einen wichtigen Beitrag.
  5. Entwicklung als „naturnahe Grünanlage“: Der Park wird in Anlehnung an seinen wäldchenartigen Charakter wieder als naturnahe, vollständig unversiegelte Grünanlage entwickelt und ohne dezimierende Strauch- und Baumrückschnitte gepflegt.
  6. Einbeziehung des Parkhausdachs der Deutschen Rentenversicherung Bund: Das Dach des an den Park angrenzenden Parkhauses der Deutschen Rentenversicherung Bund wäre wie geschaffen, um dort Sport- und Aktivitätsflächen zu schaffen, für welche der Bezirk nach seinen Umbauplänen den Park weiter dezimieren will.
  7. Schutz der Grünfläche durch amtliche Parkwächter sowie umlegbare Poller oder Schranken gegen einfahrende Autos.

Ausführliche Informationen entnehmen Sie bitte dem Konzept.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung:

Manfred Schubert, Geschäftsführer der BLN

Downloads:
Pressemitteilung (PDF, 957,5 kB)
Konzept „Ein ökologisches Modell für den Preußenpark“ (PDF, 370,3 kB)